Nach unserem Aufenthalt in Koforidua gibt es ein Novum. Das allererste Mal haben wir nämlich … mal 2 Tage lang gar nichts zu tun. Wir nutzen die Zeit um einmal mit Yam, einer riesigen Speiseknolle, die es hier an jeder Straßenecke zu kaufen gibt, herum zu experimentieren und herauszufinden, ob es dieselben Eigenschaften wie Kartoffeln besitzt. Tatsächlich sind unsere Yampuffer, Yamfrites und Bratyams weit mehr als nur essbar und mit dem in einer hinteren Ecke eines Ladens gefundenen Heinz-Tomatenketchup eine sehr geile Abwechslung zu „Rice and Stu“, das wir sonst die meiste Zeit über essen.
Am Dienstag haben Dennis und Lea ihren offiziell ersten Arbeitstag. Da der Unterricht an meiner Schule, der German-Ghanaian-School, offiziell erst am 19. September beginnt, nutze ich die restlichen verbleibenden Tage um mit Jessica zur Küste zu fahren und ein paar Tage Strandurlaub in der Green Turtle Lodge zu machen. Die Green Turtle Lodge ist auf der einen Seite ein Naturschutzprojekt, welches sich um den Schutz und die Arterhaltung der Meeresschildkröten kümmert und auf der anderen Seite ein bei allen Volunteers Ghanas berühmt berüchtigte Urlaubsabsteige. Die siebenstündige Trotrofahrt nach Takoradi kommt mir mittlerweile erstaunlich kurz vor und lässt sich ziemlich leicht absitzen. Wenn ich hier schon irgendetwas gelernt habe, dann geduldig zu sein. Egal ob wegen den langen Wartezeiten, Fahrzeiten oder den unendlich langen Ladezeiten im Internet, Ghana zwingt einen zur Geduld. Die Trotrofahrten werden auch deswegen erträglicher, weil es in jeder Stadt möglich ist, etwas zu Essen oder zu Trinken zu kaufen. Sobald der Bus steht, laufen Verkäufer, die Waren in Körben auf ihren Köpfen, an die Fenster der Busse und man kann sich mit allen möglichen Nahrungsmitteln versorgen. Von Takoradi aus fahren wir noch 45 Minuten im Taxi auf einer zerfurchten Huggelpiste, die den Ausdruck Trampelpfad bei weitem nicht verdient hat und erreichen schließlich den wohl schönsten Ort, den ich je zu Gesicht bekommen hab. Die Lodge besteht aus mehreren, verschieden großen Hütten und liegt direkt an einem weißen, fast menschenleeren Strand. Die Strandbar ist aus einem alten Schiff gefertigt und liegt tatsächlich mitten im Sand. Alte Kanus wurden zu Bänken ummodeliert und zwischen den massigen Kokospalmen hängen Hängematten. Leider spielt das Wetter nur teilweise mit, was aber auch nicht allzu schlimm ist: Immer wenn es regnet hat die Bar Happy Hour. Am nächsten Tag besuchen wir ein in der Nähe gelegenes Fischerdorf. Wie üblich bei dem Besuch eines kleineren Dorfes rennt uns ein Haufen lachender Kinder entgegen und begleitet uns vollständig bei unserem Dorfbesuch. Auf dem Dorfplatz spielen ein paar Jungs Fußball. Und was entdecke ich hier am meist abgelegenen Ort, den ich je besucht hab, wo Strom und fließendes Wasser Fremdwörter sind? Einen Jungen im 1860-Trikot. Offensichtlich hat die Nummer 1 in München auch in den letzten Ecken Ghanas viele Fans. In der Lodge gibt es ebenfalls das beste Essen, dass ich in Ghana bisher gegessen hab und so bin nicht allzu glücklich, als ich nach 3 Tagen wieder zurückfahren muss. Aber allzu schlimm fällt der Abschied dann doch nicht aus, weil ich schon fest beschlossen hab hier noch einmal herzufahren. Die Rückreise bestreite ich diesmal nur in Begleitung von ein paar Holländern, die zufällig den gleichen Weg haben wie ich, Jessica fliegt zurück nach Deutschland. Am Montag haben Sabine und ich unseren ersten Schultag an der GGS, allerdings gerät das erstmal in den Hintergrund. Dennis hat seit 3 Tagen unterschiedlich starke Fieberschübe und wir bringen ihn mit Malariaverdacht ins Krankenhaus. Allzu gut kommen wir hier allerdings nicht zurecht. Das Areal ist riesig und es tummeln sich hier gefühlt tausende Menschen mit unterschiedlichen Gesundheitsgraden. Nach einigem Herumirren finden wir eine Art Rezeption und erhalten die Information, dass Malariatests im Block C gemacht werden. Dort angekommen werden wir von einer entnervten Krankenschwester jedoch zurückgeschickt, da wir hier nur Tests gemacht werden, nachdem man einen Arzt besucht hat. Also zurück zur Rezeption, den vor sich hinstolpernden Dennis im Schlepptau. Die Rezeptionistin scheint sichtlich überrascht, dass das Ganze nicht geklappt hat und stellt uns vor die Wahl entweder in der Polyklinik eine ärztliche Untersuchung zu bekommen und im „Medi-Lab“ auf der anderen Straßenseite auf eigene Faust einen Test zu machen. Der sichtlich erschöpfte Dennis entscheidet sich für Letzteres. Nach 10 Cedi Bezahlung und 2 Stunden Wartezeit bekommen wir das Ergebnis: Negativ. Also fahren wir zurück nach Denchemouso und hoffen, dass das Fieber bald abklingt. Zuhause angekommen, begeben Sabine und ich uns auf die Suche nach der Lehrerversammlung. Der Direktor teilt uns jedoch mit, dass das offizielle Lehrertreffen erst am Freitag ist und bis dahin auch kein Unterricht stattfindet. Also noch ein paar Tage Urlaub für uns. Am nächsten Tag wird die Situation ein wenig ernster: Dennis´ Fieber steigt auf 40,5° und wir fahren wieder ins Krankenhaus. Dieses Mal gehen wir direkt zur Polyklinik, wo das ganze jedoch nicht unkomplizierter abläuft. Als neuer Patient muss sich Dennis erst eine Art Krankenausweis besorgen und setzt sich in die vorgesehene Schlange. Nach 2 Stunden Wartezeit sind wir fast an der Reihe, jedoch wird uns schlecht beim Anblick der etwa dreimal so langen Schlange der Leute, die auf eine ärztliche Behandlung warten. Nun treffen wir zum Glück auf ein paar andere Volunteers, die offenbar schon länger hier sind und uns raten beim Emergencyschalter einfach ein wenig Druck zu machen, damit Dennis als Notfall behandelt wird. Genau verstehen wir nicht, was nun passiert, allerdings bekommt Dennis nun tatsächlich einen Arzt zu Gesicht. Dieser teilt uns mit, dass die Malariatests nie hundertprozentig zuverlässig sind und seine Symptome eindeutig auf Malaria hinweisen. Darum wird ihm sofort ein Medikament per Tropf in die Vene gejagt. Nachdem ich in der hauseigenen Apotheke die im Vergleich zu deutschen Verhältnissen sehr billigen Medikamente besorgt hab, muss ich zusammen mit Dennis noch eine Ewigkeit warten, bis der Tropf leer getropft ist und wir nach 11 Stunden endlich das Krankenhaus verlassen können. Es ist bereits dunkel. Aufgrund mangelnder Beschäftigung fange ich am nächsten Tag an Twi, die Sprache der Ashantis, zu lernen und komme erstaunlich schnell voran. Aktuell verfüge ich über einen Wortschatz von circa 150 Wörtern und bin in der Lage Verben in 4 verschiedenen Zeiten zu konjugieren, Adjektive zu steigern und Nebensätze zu bilden. Mal schauen, was hieraus noch wird. Langweilig wird es auf dem Campus trotz fehlendem Unterricht jedoch nicht, da gerade ca. 200 Feuerwehrleute im Hostel campieren, um laut Eigenaussage Übungen zu machen, wovon ich jedoch nicht allzu viel mitbekomme. Stattdessen verbringen sie Tage mit durchgehendem Duschen und Waschen, weswegen der schuleigene Tank meistens leer ist und wir uns wieder mit Brunnengängen abplagen müssen. Am Donnerstag (22.09.2011) ist unsere nächste Radiodeutschlessonsession auf Mynd FM 105,1 angesagt, das angeblich in ganz Kumasi und Umgebung empfangen wird. Diesmal gehen nur Konrad und ich, da wir uns in drei Gruppen aufgeteilt haben. In gekonnter Manier lehren wir dem Millionenpublikum [ 😉 ] deutsche, direkte und indirekte Objektpronomen und präsentieren zwei Lieder: „Widerstand“ von Curse und „Nein Mann“ von Lasercraft. Dem Disjockey scheint unsere Liederauswahl zu gefallen und Konrad und ich sind uns im Nachhinein einig: Fürs Radiogeschäft sind wir bestens geeignet. Tagsdarauf ist dann tatsächlich das erste offizielle Stuffmeeting der GGS. Die Lehrer, abgesehen vom Direktor, erscheinen uns alle extrem jung. Unserer Einschätzung nach ist keiner über 30. Tatsächlich treffen wir hier auch unseren Discjockey, der anscheinend nebenher auch noch unterrichtet. Das Meeting ist locker, informativ, allerdings auch recht religiös. Es gibt Beginn- und Endgebet und zwischendurch werden bei manchen Gelegenheiten Bibelstellen zitiert. So wie es ausschaut, werde ich Deutsch und Mathe unterrichten. Wann der Unterricht aber losgehen wird, ist immer noch nicht klar, da der Stundenplan noch nicht fertig gestellt ist. Am Abend lernen wir noch ein paar andere Freiwillige aus Tanaso kennen und verbringen eine recht fetzige Nacht an verschiedenen Orten in Kumasi. Details bleiben besser im Dunkeln.

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